Das Sturmtief Xynthia in Thüringen

Montag, 1. März 2010

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Video: Marcus SCHEIDEL

ERFURT. Das Orkantief Xynthia, das in der Nacht zu Montag über Thüringen hinweggezogen ist, hat nach ersten Angaben der Polizei nur kleinere Schäden verursacht. Der Sturm war mit mehr als 120 Kilometern pro Stunde über den Freistaat hinweggebraust. Durch das Unwetter wurde niemand verletzt.

Umgestürzte Bäume und umherfliegende Verkehrsschilder hatten jedoch zu erheblichen Verkehrsbehinderungen geführt. Wegen des Sturms musste die Rinnetalbrücke auf der Autobahn A 71 bei Ilmenau vollständig gesperrt werden. Kurz nach Mitternacht wurde die Trasse aber nach Polizeiangaben wieder freigegeben. Auch zahlreiche Bundes- und Landstraßen waren wegen umgestürzter Bäume gesperrt. Die meisten anderen Behinderungen konnte die Feuerwehr bereits in der Nacht wieder beseitigen.

In Erfurt wurden laut Angaben von Meteorologen Sturmspitzen von mehr als 100 Stundenkilometern erreicht. Die Erfurter Polizei war in der Nacht insgesamt 31 Mal im Einsatz, in vier Fällen wurde sie in den Landkreis Sömmerda gerufen. Ein Schwerpunkt war die Landstraße zwischen Rastenberg und Lossa. Im Waldstück, das zum Kyffhäuserkreis gehört, waren erst zwei große Bäume umgebrochen. Als es immer mehr wurden, entschloss sich die Polizei, die L 1057 zu sperren.

35 Einsätze innerhalb von drei Stunden hatten am Sonntagnachmittag die Feuerwehren der Landeshauptstadt zu bewältigen. Heftige Böen zerrten an Planen und Baugerüsten. Der Sturm entwurzelte Bäume bzw. ließ große Äste abbrechen - zum Beispiel in Möbisburg am Freibad, in der Lowetscher und der Berliner Straße. Am Seidelbastweg beschädigte ein Baum ein parkendes Auto. Auch in der Gottstedter Landstraße hielt ein Baum den Windspitzen nicht stand. Nicht nur die Berufsfeuerwehr war mit beiden Wachen im Dauereinsatz, auch die freiwilligen Wehren rückten mehrfach aus. Viel Arbeit für die Einheiten aus Möbisburg, Bischleben, Waltersleben, Dittelstedt, Ilversgehofen, Gispersleben, Vieselbach, Marbach, Büßleben und Melchendorf. In der Leitstelle im Gefahrenschutzzentrum wurden neben den üblichen vier Pulten drei weitere besetzt, weil der Funkverkehr überhand nahm. Am Gothaer Platz fiel die Ampelanlage aus. Mehrfach musste die Feuerwehr Baugerüste sichern und Planen festbinden oder abnehmen. Gegen 19 Uhr drohte in der Großen Arche der Einsturz eines größeren Baugerüstes, hier war das Technische Hilfswerk mit sechs Mitarbeitern vor Ort, auch ein Bauingenieur wurde hinzugezogen. In der Magdeburger Allee wurde die Plane eines Gerüstes neben den Stadtwerken zur Gefahr, in der Rudolstädter Straße flog eine Balkonverkleidung weg. Am Juri-Gagarin-Ring mussten große Lagen Dachpappe von einem Gebäude entfernt werden, da sie auf die Straße zu stürzen drohten. Der Sturm warf auch Verkehrsschilder um und wirbelte Mülltonnen durch die Gegend. Immer wieder fielen Ziegel von Dächern. Laut Meteorologen wurden in der Landeshauptstadt Windspitzen von mehr als 100 Stundenkilometern erreicht.

Im nördlichen Wartburgkreis hat Sturmtief Xynthia am Sonntagabend einen Teil des Daches der Grundschule von Berka/Hainich abgedeckt. Der Unterricht fiel deshalb am Montag für 77 Kinder aus. Wie das Landratsamt mitteilte, kann er am Dienstag wieder stattfinden. Handwerker haben das Dach verschlossen. Seit dem Mittag wieder frei sind auch die wegen umgefallener Bäume gesperrten Straßen zwischen Marksuhl und Dönges und Tiefenort und Weißendiez im Wartburgkreis.

Die westliche Kyffhäuserregion kam nach Einschätzung des Ebelebener Bauhofleiters Thomas Gehlhaar glipflich davon. An der Tankstelle in der Ebelebener Keulaer Straße war eine 20 Meter hohe Tanne entwurzelt und zum Teil auf die Waschanlage gefallen. Im Schlosspark wurden Äste von Bäumen gerissen. In Greußen knickte das Sturmtief Xynthia in der Parkanlage eine 18 Meter hohe Akazie. Der tonnenschwere Baum beschädigte die historische Stadtmauer, die nach den Aufräumungsarbeiten wieder restauriert werden muss. In Helbedündorf wurde am späten Sonntagabend zwei Straßen sperren, weil der Sturm im Mitteldorf ein Scheunendach teils abgedeckt und ein Gehöfttor samt Balkenkonstruktion auf die Straße geworfen hatte. Im Schlosspark wurden Äste von Bäumen gerissen. Die regelmäßigen Baumkontrollen und die Pflege in der Gemarkung der Gemeinde zahle sich aus. Nicht mehr standsichere Bäume gebe es daher nicht viele. Doch wurden andererorts auch gesunde Bäume umgerissen, weil das Erdreich durch das Tauwetter sehr aufgeweicht ist. In Allmenhausen wiederum hat Xynthia ein Scheunendach abgedeckt.

Ohne Strom mussten dagegen die Bürger einiger Ortschaften im Kreis auskommen. Zwischen Peukendorf und Kleinbrüchter brach der Sturm einen Masten einer 20 KV-Leitung um. Auch zwischen Greußen und Clingen wurde eine Mittelspannungsleitung beschädigt. Vier Orte waren dadurch ohne Strom.

Während in den Wäldern des Staatlichen Forstamtes Oldisleben keine nenneswerten Sturmschäden enstanden und auch an Straßen keine Bäume umgefallen sind, mussten gestern Morgen an der Straße zwischen Sondershausen und Badra fünf Bäume entfernt werden, die auf die Fahrbahn zu fallen drohten. In den Wäldern des Staatlichen Forstamtes Sondershausen, die sich bis nach Holzthaleben und Keula hinziehen, habe es etwa 3000 Festmeter Bruch gegeben, erklärte Forstamtsleiter Lutz Eichhorn. Das sei die Wurf- und Bruchmenge, die eigentlich jedes Jahr im Herbst und im Winter anfalle, fügte er hinzu.

In Suhl waren etwa 400 Quadratmeter des Dachs eines nicht mehr genutzten Einkaufszentrums abgedeckt worden. Die Feuerwehren Suhl Zentrum und Oberland waren mit insgesamt 20 Einsatzkräften über drei Stunden damit beschäftigt die losen Teile zu entfernen oder zu sichern. “An der Einsatzstelle herrschten Windspitzen von bis zu 110 km/h.” schätzte der Einsatzleiter Silvio Volkmann ein. “Unter diesen Bedingungen ist es lebensgefährlich auf dem Dach zu arbeiten.”, beschrieb er die Schwierigkeiten. Durch den Sturm konnten seine Leute das Dach nicht betreten und spannten von der Drehleiter aus Seile über das Dach, um das weitere Abheben der Dachteile zu verhindern.”, so Volkmann. Das Umfeld des Gebäudes wurde weiträumig abgesperrt. Wegen umgestürzter Bäume mussten Straßen gesperrt werden.  Insgesamt mussten die Wehren in der Region wegen Sturmschäden fünfmal ausrücken. Wegen gefährlichen Funkenfluges verbot die Polizei ein Feuer, das im Freien betrieben wurde. In der Ringbergstraße wurde ein Baum gefällt, der drohte, auf die Fahrbahn zu stürzen.  In der Auenstraße / Würzburger Straße stürzte ein Baum auf die Fahrbahn. Mehrere Fensterscheiben gingen in der Jenaplanschule zu Bruch.

Zu mehreren Einsätzen kam es in der Nacht auf Montag wegen des Orkans Xynthia. In Zella-Mehlis sicherte die Polizei das Umfeld eines leerstehenden Gebäudes in der Heinrich-Erhardt-Straße. Dort lösten sich Teile des Daches, so dass ein fünf mal ein Meter großes Blech heruntergeweht wurde.

In der Region Hildburghausen mussten Beamte der Polizeiinspektion in fünf Fällen ausrücken. Ursachen waren umgestürzte Bäume, beschädigte Stromleitungen und eine gelockerte Satelliten-Antenne.

In Gera ist ein umgestürzter Baum auf einen Kindergarten gefallen und hat leichte Schäden angerichtet. Heruntergefallene Dachziegel haben in mehreren Ortschaften Thüringens parkende Autos beschädigt.

Unangenehme Überraschung für die Autofahrer, die heute früh zwischen 6.00 Uhr und 8.00 Uhr aus Richtung Kranichfeld nach Erfurt oder Weimar wollten: Umgestürzte Bäume auf den Straßen machten ein Durchkommen unmöglich. Absperrungen waren erforderlich, Polizei und Ordnungsamt vor Ort. Das zuständige Forstamt Arnstadt beseitigte schließlich die Hindernisse.

Die Kreisstraße 7 ist zwischen Goldbach und Hochheim seit Montag wieder für den Verkehr freigegeben. Der Abschnitt war am vergangenen Donnerstag vorsorglich gesperrt worden, da Wasser von der nahe gelegenen Nesse die Fahrbahn überspülte. Das Landratsamt Gotha dankt insbesondere den Kameraden der freiwilligen Feuerwehr Hochheims für ihren Einsatz: Sie hatten die Sperrung nicht nur rasch vorgenommen, sondern übers Wochenende auch die vom Sturm und uneinsichtigen Fahrern umgeworfenen Sperrschilder mehrfach wieder aufgestellt.

Zwischen Crawinkel und Wegscheide führten die Auswirkungen des Orkans Xynthia zur Vollsperrung der Straße. Obwohl entsprechende Verkehrsschilder aufgestellt waren, ignorierten die Verkehrsteilnehmer die Sperrung. Nach Angaben des zuständigen Revierförsters ist das Befahren dieser Strecke für die Autofahrer gefährlich, da die Aufräumarbeiten im Gange sind und dadurch eine Gefährdung der Fahrzeuge gegeben ist. Die Straße ist voraussichtlich bis Dienstagnachmittag voll gesperrt, da zur Beräumung Spezialtechnik herangeschafft werden muss. Durch das Straßenbauamt Mittelthüringen wurde mit Absperreinrichtungen eine Sperrung der Straße vorgenommen.

Im Eichfeld sorgte Sturmtief Xynthia für mächtig viel Wind, zerstörte aber vergleichsweise wenig. Problematisch sei es nach Angaben des Forstamtes Leinefelde aber am Richteberg gewesen. Hier stürzten etwa 20 große Fichten um, einige knallten auf die Straße und versursachten Unfälle. So prallte am Sonntagnachmittag ein Lkw-Fahrer gegen solch einen Stamm, abends erwischte es einen Autofahrer (TA berichtete). Beide blieben unverletzt.

Umgestürzte Bäume verursachten am Sonntag einige Verkehrsunfälle im Eichsfeld. Diese ereigneten sich laut Polizei im Bereich der B 247 bei Beinrode, zwischen Gernrode und Niederorschel und Dingelstädt - Kallmerode. Mehrere Fahrer konnten den herabstürzenden Bäumen nicht mehr ausweichen und prallten gegen die Stämme. Verletzt wurde niemand. Auch das Forstamt Heiligenstadt meldete wie auch Leinefelde nur einzelne umgeworfene Bäume In den Serpentinen bei Asbach-Sickenberg, im Wald bei Wüstheuterode sowie bei Rohrberg blockierten mehrere Bäume die Weiterfahrt.

Einen großen Einsatz hatte Sonntagabend die Feuerwehr von Gerbershausen. Kurz nach 18 Uhr brach am Ortsausgang Richtung Fretterode das Tor zum Festplatz durch den Sturm zusammen. Die Freiwillige Feuerwehr Gerbershausen war mit 16 Kameraden im Einsatz. Die Straße nach Fretterode musste für gut eine Stunde gesperrt werden. Die Leitstelle bilanzierte allein für die Heiligenstädter Feuerwehr zwölf Einsätze, die immer wieder Bäume und Äste sowie andere herumfliegende Teile bergen musste. Solche Probleme gab es auch bei Wachstedt, Großbartloff, Arenshausen, Lenterode, Vatterode, Marth und Uder. Zwischen Teistungen und Neuendorf lagen mehrere Bäume um, ebenso bei Berlingerode, Wintzingerode, Gernrode, Worbis, Stöckey und Steinbach. In Großbodungen landete einer in der Telefonleitung. In Reinholterode flog die Dacheindeckung eines leerstehenden Wohnhauses auf ein benachbartes Wirtschaftsgebäude. In Breitenbach wehte es das Werbeschild für den neuen Kindergarten fort.

In mehr als 100 Thüringer Orten gab es am Abend und in der Nacht wegen des Unwetters Störungen in der Stromversorgung. Nach Angaben von Eon werde intensiv am Beseitigen der Schäden gearbeitet. Auch der gestern Abend fast zum Erliegen gekommene Bahnverkehr sei inzwischen wieder komplett aufgenommen worden, so die Bahn AG. Mehrere Regionalstrecken waren wegen umgestürzter Bäume gesperrt worden, so zum Beispiel die Verbindungen zwischen Ohrdruf und Crawinkel, zwischen Lichtetanne und Wurzbach sowie zwischen Gräfenroda und Plaue. Umgestürzte Bäume hatten zur Sperrung mehrerer Strecken geführt. Behinderungen im Fernverkehr gab es vor allem wegen der Stilllegung des Frankfurter Hauptbahnhofs.

Sonntagnachmittag hatten die Rettungskräfte vorübergehend die B88 zwischen Ohrdruf und Crawinkel genauso gesperrt werden wie die B62 zwischen Bad Salzungen und Dorndorf und die B 285 zwischen Bad Salzungen und Dermbach sowie die L2895 zwischen Bad Salzungen und Möhra. Ebenfalls gesperrt wurden die B84 zwischen  Eisenach und Vacha an der Kreuzung Dorndorf sowie die B87 zwischen Kranichfeld und Bad Berka. Sturmschäden führten auch zur Sperrung der L1024 zwischen Tabarz und Brotterode ab Inselsberg in Richtung Brotterode. 

Mit orkanartigen Böen hatte in Europa am Wochenende mehr als 50 Menschen in den Tod gerissen. In Deutschland, wo der Sturm vor allem am Sonntag wütete, starben nach Polizeiangaben mindestens vier Menschen. TA/apn

Aktuelle Videos finden Sie unter: www.thueringer-allgemeine.de

1 Kommentar

  1. Flüge - 2. März 2010

    Der Sturm war wirklich heftig. Es ist wirklich traurig, dass Menschen ihr leben lassen mussten. Aber im Vergleich zu den Menschen in Chile haben wir viel Glück gehabt. Ich hoffe, dass wir erstmal von solchen Unwettern verschont bleiben.

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