Leben auf einem Pulverfass

Freitag, 29. Januar 2010

Get the Flash Player to see the wordTube Media Player.

Zwei Familien nach Erdeinbrüchen evakuiert. Anwohner sind nach wie vor stark beunruhigt.

Video: Jürgen CREUTZBURG

TIEFENORT (gdt).

Nach dem erneuten Einbruch der Erde am Krater in Tiefenort wurden noch am Donnerstagabend die Familien der beiden angrenzenden Häuser auf polizeiliche Anordnung hin evakuiert und die Häuser versiegelt, denn auch am Abend rieselte immer noch jede Menge Erdreich in die Grube. Ob die Familien Adler, Hofmann und Haus in ihre Häuser zurückkehren können, steht noch offen. Zwei Familien fanden bei Nachbarn und in einer gemeindlichen Einrichtung Unterkunft, die anderen bei Verwandten. Obwohl es laut Aussage der Behörden den Familien zunächst freigestellt war, in ihren Häusern zu bleiben, erfolgte dann aus Sicherheitsgründen doch die Evakuierung. „Es ist furchtbar, wenn wir unser Haus für immer verlassen müssen“, sagte die verzweifelte Vera Haus. Alles habe man in Haus und Wohnung gesteckt. Nun solle man von vorne anfangen. Seit Jahren leben die Familien im Erdfallumfeld in Angst. Die Nacht über hielten die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr im zweistündigen Wechsel Wache. Die Frankensteinstraße ist im oberen Drittel mit einem Bauzaun gesperrt. Ein Expertenteam soll nun darüber entscheiden, ob die evakuierten Familien wieder in ihre Wohnungen zurückkehren können. Gestern traf Erdfall-Experte Reinhard Völker vom Ingenieurbüro Völker aus Ulfingen (Südharz) ein, um sich ein Bild vor Ort zu machen. Er war es auch, der vor einigen Jahren eine Videobefahrung des Erdfalls vorgenommen und dokumentiert hatte. Für ihn war was nur eine Frage der Zeit, bis der Erdfall weiter arbeitet. „Hier wird es in 100 Jahren  keine Ruhe geben“, kommentierte er. Er würde empfehlen, nicht mehr in die Häuser zurückzukehren beziehungsweise diese abzureißen. Er untersuchte noch vor Ort die noch vorhandenen Pegel, die „allerdings nur vorwarnen können“. Der Pegel auf dem gegenüberliegenden Grundstück von Werner Krug habe keine Veränderungen gezeigt, ein zweiter Pegel auf dem Erdfall-Grundstück sei um rund 7 Zentimeter gefallen, der auf der Betonplombe sitzende und den Alarm auslösende Pegel völlig zerstört. Abbrüche seien bis in 40 Meter Tiefe nachvollziehbar. Die Aussage des Experten war maßgeblich für die Polizeibeamten Timo Hauck und Uwe Metz, die Häuser weiter versiegelt zu lassen oder wieder zugänglich zu machen. Gestern kam auch Landrat Reinhard Krebs, der eine vorläufige baupolizeiliche Sperrung der Häuser zunächst bis Montag, 1. Februar verfügte. Weitere Entscheidungen werden in Zusammenarbeit mit dem Thüringer Landesamt für Umwelt und Geologie getroffen.

Aktuelle Videos finden Sie unter: www.thueringer-allgemeine.de

Einen Kommentar schreiben

Alle Felder mit * sind Pflichtfelder und müssen ausgefüllt werden.
Die eMail-Adresse wird nicht veröffentlicht.