WAZ-Chef in Weimar

Freitag, 15. Januar 2010

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Zeitungen sind Verstärker

Beim Thema Medien war WAZ-Chef Christian Nienhaus gestern ganz genau und auch heiter

Zukunft ist immer ungewiss. Unternehmer müssen sich dennoch wappnen. DerWAZ-Geschäftsführer Christian Nienhaus (49) umriss gestern abend für den Industrieklub Thüringen seine scharfe Analyse und seine Visionen.

Text: Ute RANG
Video: Johannes ROMEYKE

WEIMAR.
Die Menschen leben, sie haben Nachbarn, sie reden beim Bier. Das ist die Wirklichkeit, wie der erfahrene sowie erfolgreiche Zeitungsmann sie sieht.
Zeitungen, die Medien überhaupt, können nur verstärken, was Menschen wichtig ist, was sie berührt, sie aufregt, sie jubeln lässt. Das gilt gerade in der Region. Für ein Beispiel führt er ins Badische, wo zwischen den Regionen Freiburg und Tittisee-Neustadt markante Unterschiede bestehen und die lokalen Ausgaben der Regionalzeitung entsprechend sind, eben weil sie das verschiedene Befinden widerspiegeln.
Als ähnliches Beispiel für ganz Deutschland schildert er die versuchte sowie misslungene Kampagne, die Rechtschreibreform komplett zurück zu drehen. Es gab in der Bevölkerung einfach keine Stimmung dafür. „Da brummt es nur, wenn man den Verstärker aufdreht,“ sagt Nienhaus.
Er reist rhetorisch locker durch das Land, die Jahre, die Gesellschaft. Er zehrt aus einem üppig bestückten Archiv an Erlebtem in den Schnittstellen von Politik, Wirtschaft und Sport mit den Medien, da, wo Deals eingefädelt werden und mitunter doch nichts nützen.
Der Industrieklub Thüringen schätzt den Auftritt des Topmanagers der WAZ-Gruppe, zu der auch die „Thüringer Allgemeine“ gehört, und genießt, wie in jeder Anekdote die Fähigkeiten eines Talkmasters offensichtlich werden. Nienhaus meint es natürlich in allem ernst, das muss nicht langweilig bedeuten.
Die Pressefreiheit, die Politik als Gegenstand von journalistischer Berichterstattung, der Wettbewerb zwischen den Medien und die Politik als Regulierungsinstanz sowie die Werbebeschränkung für bestimmte Produkte sind seine Themen. Am Beispiel der Bomben, die auf LKWs in Afghanistan fielen, der anschließenden Debatte und den Konsequenzen, zu denen immerhin auch der Rücktritt eines Ministers gehörte, schildert er, wie zuerst die privat finanzierten Medien einen Beitrag zu Aufdeckung von Skandalen leisten und damit zum Funktionieren einer echten Demokratie.
Nur so funktioniere es, dass Menschen für eine Zeitung bezahlen, weil sie lesen wollen, was darin geschrieben wird, weil sie wissen wollen, was genau geschieht. Diese Medien schreiben für eben diese Leser und sind Wirtschaftsunternehmen, bei denen eine Krise wie die des Jahres 2009 über die Anzeigenkunden durchschlägt.
„Hier,“ kritisiert Nienhaus, „hat es der öffentlich-rechtliche Rundfunk leichter. Seine Gebührenentwicklung kennt nur einen Weg: nach oben. Die müssen nur einen entsprechenden Bedarf nachweisen, dann gibt es das Geld.“
In diesem Zusammenhang sieht er den Sender ZDFneo und die „Tagesschau“ kostenlos als App für Geräte wie das iPhone kritisch.
Wer nicht ins Netz geht, kommt ins Museum. Das ist unter Medienleuten ein geflügeltes Wort. Es soll vom ZDF-Intendanten Markus Schächter stammen. Die Wahrheit darin ist eine Binse.

Aktuelle Videos finden Sie unter: www.thueringer-allgemeine.de

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